Metaphysik und Theologie des Impfens

Ein Kommentar von Bernd Lukoschik

Metaphysik allgemein

Immanuel Kant sah es als grundlegende Aufgabe einer Metaphysik an, die aller Wissenschaft und Ethik zugrunde liegenden Prinzipien, die jene überhaupt erst ermöglichen, zu erforschen. Hinsichtlich der newtonschen Physik leistete er das mit seiner Schrift „Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft“, hinsichtlich der Ethik mit der Schrift „Grundlegung zu einer Metaphysik der Sitten“, worin er den kategorischen Imperativ abzuleiten versuchte.



Immanuel Kant sah es als grundlegende Aufgabe einer Metaphysik an, die aller Wissenschaft und Ethik zugrunde liegenden Prinzipien, die jene überhaupt erst ermöglichen, zu erforschen. Hinsichtlich der newtonschen Physik leistete er das mit seiner Schrift „Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft“, hinsichtlich der Ethik mit der Schrift „Grundlegung zu einer Metaphysik der Sitten“, worin er den kategorischen Imperativ abzuleiten versuchte.


In Bezug auf die Wissenschaften, die dem genbasierten Impfen zugrunde liegen, sind die zeitgenössischen Philosophen dieser Aufgabe noch nicht einmal im Ansatz nachgegangen. Als sei auch dieser Berufszweig in Angst und Schock erstarrt!


Metaphysik in Kants Verständnis beschäftigt sich mit den Annahmen, die unausgesprochen wissenschaftlichen Forschungsprojekten zugrunde liegen und die selbst wiederum nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Forschung sind. Sie sind der blinde Fleck im Auge des Forschungstreibenden, die weltanschaulichen Vorurteile, die der Wissenschaftler mitbringt und auch braucht, auf denen sein Handeln ruht, die er aber meistens selbst nicht thematisiert. Ihre Thematisierung und Behandlung fallen aus dem Rahmen seiner Wissenschaft.


Ich bin kein Immanuel Kant. Aber ein paar Überlegungen könnte ich doch zu einer zukünftigen, notwendigen „Grundlegung zu einer Metaphysik des Impfens“ beitragen. Eine fundierte Ausarbeitung erhoffe ich mir von den auch hier noch vorhandenen Philosophieprofessoren, die bislang wohl in ihren Uni-Büros schockgestarrt Seminare und Vorlesungen online abhalten.

Ideen zu einer „Grundlegung einer Metaphysik des Impfens“

Not yet Known


Eine Formulierung, die bei der EMA, der Europäischen Arzneimittelagentur, in ihrer Charakterisierung aller gängigen genbasierten Impfstoffe immer wieder vorkommt, lautet: „It is not yet (noch nicht) known …“ oder „It is not currently (gegenwärtig nicht) known …“


Mag es nun um die Wirksamkeit – ob überhaupt oder über welche Zeitdauer – der Impfstoffe gehen oder um die Wahrscheinlichkeit, dass der Geimpfte auch weiterhin ansteckend ist, oder um die Neben- oder Spätfolgen, immer: not yet known, not currently known. Und zwar hinsichtlich aller vorliegenden Impfstoffe!


Das ist, auf die Modalitäten des Zulassungsverfahrens gesehen, ungeheuerlich. Hier wird ein Medikament angewendet, von dem Wissenschaft und Politik hinsichtlich seines Sinns und Nutzens keine Ahnung haben. Dieses moralisch und wissenschaftlich Unsägliche ähnelt frappierend dem ersten Atombombenversuch, den man unternahm, ohne zu wissen, welche Auswirkungen auf Erde und Atmosphäre eine atomare Explosion haben würde: Man riskierte es einfach mal!


Diese neuartige und moderne Art und Weise, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umzustzen, soll aber nicht weiter interessieren. Es interessiert, was an weltanschaulichen, erkenntnistheoretischen und naturphilosophischen Grundlagen den Not-yet-Knowns zugrunde liegt.


… but soon


Im „not yet“ schwingt unausgesprochen mit: „… but soon“. Das ist die erste metaphysische Voraussetzung der Impfwissenschaften: Mit welchem Recht und welcher Begründung können Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit so überzeugt sein, dass der Erkenntnisprozess in Sachen Impfstoffe überhaupt in einem Wissen enden wird, dass man es derzeit nur „noch nicht“, „gegenwärtig nicht“ hat?


Rechtfertigung im Nachhinein


Die zweite metaphysische Voraussetzung der Virenwissenschaft beruht auf der Annahme, dass das Wissen eine Rechtfertigung-im-Nachhinein dafür liefern wird, dass der Staat Anwendung und Markteinführung vor einer jahrelangen Prüfung auf Herz und Nieren erlaubt hat und forciert durchführt.


Ein völlig unübliches, unwissenschaftliches und unsittliches Vorgehen, für das es daher starke Gründe in den Möglichkeitsbedingungen dieser Wissenschaft geben muss! Das erwartete Wissen um die Impfstoffe, das man zurzeit in dem weltweiten Feldversuch am Objekt Weltbevölkerung zu erlangen sucht, wird – so müssen alle verantwortlichen Akteure annehmen – eine Rechtfertigung-im-Nachhinein mit Sicherheit liefern!! Eigentlich geschehe der Feldversuch an der Bevölkerung nur pro forma.


Zwei metaphysische Voraussetzungen des Impfens

Die beiden metaphysischen Voraussetzungen lauten also:

Erstens: Der Erkenntnisprozess wird in einem Wissen enden.

Zweitens: Das Wissen wird ein Wissen sein, das die Anwendung-im-Vorhinein rechtfertigt und erklärt, und zwar im Nachhinein rechtfertigt.

Wie kommen die verantwortlichen Akteure zu dieser ihrer Metaphysik?


Begründungsversuche für eine Metaphysik des Impfens


Die zurzeit parallel zur Bevölkerungsvollverimpfung stattfindenden, ja ihr sogar erst folgenden Untersuchungen zu Wirksamkeit, Folgen, Nebenfolgen, Spätfolgen der Impfstoffe beruhen in Wissenschaft, Politik und zunehmend auch in der Bevölkerung auf der Voraussetzung, dass wir ein Wissen erlangen werden, so die erste metaphysische Voraussetzung.


Früher


Das ist beileibe nicht selbstverständlich. Eher war bislang das Gegenteil der Fall. Wie viel wurde geforscht – und dabei kam dann nichts Positives heraus!

Man suchte – und fand nicht!


Die Erfahrung lehrt also, dass positives Wissen und Erkenntnisse eher Glücksfälle in der Wissenschaft sind. Und kommt tatsächlich etwas dabei heraus, dann etwas auf dem Niveau der Teflonpfanne in der Weltraumforschung: eine Art „Abfallprodukt“, ein Abfallwissen, über das der Wissenschaftler selbst erstaunt ist, mit dem er nicht gerechnet hat …, das sich dann aber doch noch irgendwie verwerten lässt. Denn die eng mit der Wissenschaft zusammenarbeitende Industrie – heute: der Auftraggeber der Wissenschaft – beherrscht die Kunst, aus allem etwas für den Markt und damit für die Aktionäre herauszuholen.


Heute


In Coronazeiten ist das anders: Alle sind davon überzeugt, dass das Forschen im weltweiten Versuch mit der Bevölkerung als Laborratten nicht nur ein Wissen-überhaupt schaffen wird, sondern ein Wissen, das die Anwendung-im-Vorhinein begründen und rechtfertigen wird.


Das ist eine sonderbare Überzeugung und eine ganz besondere Art von Wissen! Hier einige Feststellungen zu dieser Art Wissen:

  • Ein Wissen in der Zukunft wird eine Tat in der Vergangenheit begründen – üblicherweise schafft die Begründung einen Grund dafür, das Wissen anzuwenden.
  • Unsere Wissenschaftler gehen forschend und damit fragend in die Zukunft, um vergangene Taten zu rechtfertigen! – Früher sollte aus Wissen in der Vergangenheit die Zukunft prognostiziert werden! Heute prognostiziert man in die Vergangenheit
  • Unsere Fragen an die Natur der Impfstoffe, so unsere Überzeugung, sind immer schon beantwortet, und zwar durch die Tat!
  • Am Anfang unseres Erkenntnisprozesses steht die Antwort – „Ja, die Impfstoffe sind gelungen!“ –, denn wir wenden sie ja an. Der bereits gegebenen Antwort folgen die Fragen an den Forschungsgegenstand: „Sind die Impfstoffe als gelungen nachweisbar?“
  • Oder im Sinne Descartes’ formuliert: Wir wenden an, also wissen wir – zwar nicht jetzt konkret, aber – unbewusst gewissermaßen – im Prinzip eigentlich schon vor der Anwendung. Wir wenden an, also haben wir immer schon erkannt.

Schlagwortartige Zusammenfassung der Coronametaphysik


Erst anwenden – später erkennen, warum und dass wir anwenden durften.

Erst antworten (durch die Tat) – dann fragen (durch die Forschung).

Erst die Zukunft (des Wissens) – dann die Vergangenheit (des Gewussten).

Wir wissen zwar noch nicht, wissen aber dennoch bereits.


Zu den Begriffen Frage und Antwort, Erklärung und Anwendung


Eine Frage, von deren positiver Beantwortung wir absolut überzeugt sind – absolut überzeugt: denn sonst hätten wir mit der Impfstoffanwendung nicht schon begonnen –, eine solche Frage ist keine Frage, höchstens eine Höflichkeitsfrage, eine rhetorische Frage, und die Antwort ist keine Antwort, denn die Beantwortung hat sich mit der Anwendung ja bereits erledigt.


Eine Anwendung, die ihre Rechtfertigung und Erklärung in sich trägt, ist keine bloße Anwendung, sondern zugleich Erklärung, und somit ist die Erklärung später überflüssig.
Die Frage fällt mit der Antwort, die Anwendung mit ihrer Rechtfertigung zusammen.


Das ist natürlich Metaphysik höchster Güte: Alleinheitsphilosophie. Parmenides lässt grüßen: Das Viele ist Schein, in Wirklichkeit ist alles eines.


Die Metaphysik der Impfwissenschaften – eine Theologie?


Zugegeben, ich bin auch verwirrt. Das Problem ist aber zu wichtig, als dass man nicht versuchen müsste, das bisher Zusammengetragene mit einfacheren Worten zusammenzufassen:


Wenn Wissenschaft und Öffentlichkeit es als normal ansehen, dass man die Verimpfung der „Not-yet-known“-Impfstoffe ohne vorgängige Auf-Herz-und-Nieren-Prüfungen durchziehen darf, soll, ja muss, dann muss allen Beteiligten selbstverständlich sein,

  • dass die Anwendung sich selbst rechtfertigt, nach Münchhausen: Das Wissen zieht sich am Schopf der Anwendung aus dem Unwissenheitssumpf;
  • dass Fragen eigentlich nicht beantwortet werden müssen, weil sie selbst nämlich die Antwort schon in sich tragen, die Antworten schon sind;
  • dass das nötige Wissen schon in der Anwendung vorliegt, nur noch nicht aus ihr herausgearbeitet ist, wofür es daher die anwendungsbegleitenden Untersuchungen gibt;
  • dass wir, wenn wir etwas tun, immer schon das Richtige tun;
  • dass wir, wenn wir etwas tun, immer schon wissen, was wir tun und warum wir es tun;
  • dass wir, wenn wir etwas tun, sofort sagen können: Und es ist gut so!

Das Theologische daran


Und da klingelt es doch bei uns! Diese Ineinssetzungen von Begriffen und Handlungen, Fragen und Antworten erinnern allzu lebhaft an ein altes Buch: Gott sprach und schuf Himmel, Erde, Licht usw. Und Er sah, dass es gut war.


Im und durch das Sprechen schuf Er und erkannte Er und sah Er. Sein Schaffen war in eins das Tun, in eins das Als-gut-Erkennen.
Diese Ineinssetzungen waren nur möglich, weil Gott als der Allmächtige, der Allwissende und der vollkommen Gute gilt.
Und wir: Unser Anwenden ist in eins unser Wissen und ist in eins das Als-gut-Erkennen des Impfstoffs.
Das geht eigentlich nur, wenn wir uns ebenfalls die Qualitäten der Allmacht, der Allwissenheit und der vollkommenen Güte zusprechen.
Hybris! Wir wollen wieder mal sein wie Gott! Ob Gott wie damals beim Turmbau zu Babel reagieren wird?
Hoffentlich!


Quellenangaben:

Quelle 1: ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/vaxzevria-previously-covid-19-vaccine-astrazeneca ;

Quelle 2: Bundesinstitut …: Covid-19-Impfstoffe – Übersicht über in Europa zugelassene oder im Zulassungsprozess …

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: agsandrew / shutterstock.com


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