Gedanken über Geld und den Boden

Ein Gastbeitrag von Sarih I., eingegangen als Bühnenblick am 14. November 2021: Erklärungsnotstand | N8waechter.net .


In Anbetracht dessen, dass unser Finanz- und Wirtschaftssystem eigentlich schon längst am Ende ist und ich nach einer besseren Alternative suchte, habe ich angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, was Geld eigentlich ist bzw. darstellen soll.


Mein spontane Definition war, dass es eigentlich gespeicherte Arbeitsleistung wäre – aber ich habe schnell festgestellt, dass dies zwar nicht ganz falsch, aber in dieser Welt dennoch zu kurz gedacht war.


Denn welche Arbeitsleistung kann ich erbringen, ohne Materialien und Werkzeuge, die mir zur Verfügung stehen? Mir fallen da spontan nur Tätigkeiten ein, zu denen ich allein meinen Körper und/oder Geist brauche, wie Heilmassagen, Singen, manche Beratungstätigkeiten, Anleitungen zu Atemübungen, sogenannte käufliche „Liebesdienste“ usw. Da kommt nicht sehr viel zusammen.


Der Bäcker braucht zum Backen Getreide, dieses wächst auf unserem Boden. Der Frisör braucht eine Schere, diese wird aus Erzen hergestellt, die sich in unserem Boden befinden. Der Tischler braucht Holz, das von den Bäumen kommt, die auf unserem Boden wachsen, der Maurer braucht Ziegel oder ähnliche Materialien, die ebenfalls unserem Boden entnommen wurden.


Ich kann hier jetzt keine klare oder gar formelhafte Definition geben für das, was Geld darstellen sollte, aber in der Regel scheint sich der eigentliche Wert des Geldes doch zusammenzusetzen aus der geleisteten körperlichen und geistigen Arbeit und dem, was wir aus/auf unserem Boden gewinnen/erzeugen können. (Dass wir heutzutage in Wirklichkeit nur noch vorwiegend mit „Luft-Geld“ handeln, sei mal bei dieser Betrachtung ebenso beiseite gelassen, wie die Preisentwicklung durch Angebot und Nachfrage.)


Auf Geld und die subjektive Bewertung von Arbeitsleistung könnten wir meiner Meinung nach wahrscheinlich oder vielleicht in einer zukünftigen vorangeschritteneren Gesellschaft verzichten – zumindest innerhalb eines lokalen Rahmens. Auf den Boden aber doch wohl eher nicht …


Als mir dies klar wurde, ist mir aufgefallen, dass außer im „Plan B“ von Andreas Popp allerdings bei keinem der bisher in Diskussion gebrachten neuen Modelle (Nesara/Gesara, bedingungsloses Grundeinkommen, Informationsgeld), vom Boden auch nur ansatzweise die Rede ist – und beim Informationsgeld von Prof. Hörmann sogar explizit ausgeschlossen wird, dass jemandem etwas „weggenommen“ werde – im Gegenteil, zur Verfügung gestellte Werte (also Boden, Gebäude, Maschinen und Rohstoffe) durchaus sehr gut entlohnt werden könnten (müssten?) und Mangelware immer an den Höchstbietenden gehen solle. Boah …


Was für wohlklingende Honigtöpfe bei dem ein oder anderen Modell – im ersten Moment – mit unter Umständen sehr grausamen und zutiefst versklavenden Konsequenzen, wenn man dann aber mal genauer und tiefer drüber nachdenkt.


Einfach mal so als Gedankenschnipsel, um das Bewusstsein für die Bedeutung des Bodens zu schärfen, bevor irgendwelche Honigtopf-Angebote im Überraschungsmoment-Modus eintrudeln …


Aufrichtigen Dank an die Verfasserin für die Denkanstöße, welche hiermit zur Diskussion gestellt sind.


Seid aufrecht und bleibt standhaft.


Alles läuft nach Plan …


Der Nachtwächter


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