Neu Warum ist unsere Meinung die Einzige die zählt?

Warum ist unsere Meinung die Einzige die zählt?


Wenn wir mit jemandem reden, dann neigen wir dazu, dem Gegenüber von unserer Meinung zu

überzeugen.

Oder wenn jemand etwas erzählt, dann kommentieren wir oft, dass wir es selber auch erlebt

haben, oder noch schlimmer hatten,

oder zumindest jemanden kennen, der das auch kennt.

Was soll das?

Warum müssen wir andere Aussagen sofort relativieren oder herunterspielen?

Können wir nicht einfach die Aussagen hinnehmen und etwas daraus lernen?

Anscheinend nicht.


Vielleicht liegt es daran, dass in diesem Moment der Erzähler im Mittelpunkt steht und wir die

Aussage relativieren müssen, um zumindest zu versuchen, auch in den Mittelpunkt zu kommen.

Denn dadurch, dass wir das ja auch erlebt haben, sind wir dem Mittelpunkt etwas näher.

Und mit der Aussage, dass wir es viel schlimmer erlebt haben, drängen wir den Erzähler aus

der Mitte und stellen uns selber dahin.

Kann es sein, dass wir durch solches Verhalten versuchen aus der Bedeutungslosigkeit zu kommen?

Von der Gesellschaft wird uns jeden Tag eingeredet, dass man nur als Nummer 1 etwas ist.

Wir himmeln Schauspieler an, in der Hoffnung, genauso zu sein wie sie. Wir gucken Serien und

identifizieren uns mit einem der Charaktere darin.

Wir projizieren unser Leben auf andere Menschen, real oder fiktiv.

Hat die Gesellschaft es wirklich geschafft, uns als so unbedeutend zu verkaufen, dass wir

gezwungen sind, unser Leben

aufzugeben und uns in anderen Personen zu spiegeln?

Sehen wir deshalb den Erzähler einer Geschichte nicht als Mensch, sondern nur jemanden mit

dem ich mich vergleichen muss?

Und wenn man vergleicht, dann ist man bestrebt ja auch besser daraus hervor zu gehen.

Vielleicht ist das die Motivation dahinter, den anderen zu relativieren.

Denn wenn wir im ständigen Vergleich sind, dann haben wir gar nicht die Möglichkeit, den

anderen einfach als gegeben hinzunehmen.

Wir können gar nicht die Aussagen aufnehmen und als Hilfe oder zum Weiterbilden annehmen.

Da wir ja auf jedes Wort achten, um danach zu suchen, ob wir da noch etwas steigern können.

Oder ob der Erzähler uns gerade womöglich relativiert.

Wir hören gar nicht mehr auf den Inhalt, sondern zerlegen alles und suchen nach Wörtern, die

uns angreifen oder nicht mit unserer Meinung übereinstimmen.

Wenn wir also unseren Gegenüber von unserer Meinung überzeugen, dann gehen wir als Gewinner aus dieser Runde.

Weil er dann nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern wir und er schaut auf uns rauf und findet

das Gesagte toll.


Das gibt uns ein Hochgefühl.

Was für mich den Schluss mit sich bringt, dass Recht haben und andere von seiner Meinung zu

überzeugen eine Art Droge ist.

Und von diesem Glücksgefühl kann man süchtig werden, und das führt dann schnell dazu, dass man ein Rechthaber wird.

Also sollte man versuchen, einfach mal etwas mehr zuzuhören und vielleicht nicht alles

kommentieren zu müssen.

Einfach mal über das Gesagte nachdenken und wenn es verstanden und verinnerlicht ist,

dann kann man sich dazu äußern.

Nicht einfach erstmal dazwischen schreien oder besser wissen, sondern einfach erstmal zuhören.


Deshalb finde ich schreiben viel besser, denn dann hat man auch die Zeit sich über das

Geschrieben Gedanken zu machen.

Denn wir haben auch verlernt zu reden.

Wir sind nicht in der Lage ein ruhiges Gespräch zu führen, denn normalerweise sollten wir eine

Aussage treffen und dann abwarten, ob jemand etwas dazu zu sagen hat.

Aber wir schreien unsere ganzen Informationen so schnell hintereinander raus, dass der

Gegenüber gar nicht anders kann, als dazwischen zu schreien.

Weil wir von einem Thema zum nächsten innerhalb eines Satzes wechseln.

Wir leben in einer so schnelllebigen und Konkurrenzdenken - Welt, dass wir uns etwas

rausnehmen und wieder die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche richten sollten.


Und dazu gehört auch das Zuhören.

Und das man so redet, dass der Gegenüber auch etwas anmerken kann.

Und NICHT, dass man seine eigenen Meinungen in die Welt rausschreit und so schnell, weil

man Angst hat, nicht gehört zu werden.

Die Menschen die dich respektieren, hören dir auch zu, wenn man mit Bedacht und ruhig redet,

die anderen hören dir eh nicht zu.

Man muss auch nicht alles kommentieren und auch nicht immer das letzte Wort haben.


Wie immer nur mal so ein Gedanke.....

Mea