DAS “TV-DUELL” - Oder: mediales Geblubber für die Quote (veröffentlicht am 10. September 2002)

TV-Duell hin, Quoten her - Es wird dabei etwas ganz wesentliches übersehen:

Meinem reinen Gefühl nach kann ich einfach nicht nachvollziehen bzw. mir vorstellen, daß sich laut Medien, ca. fünfzehnmillionen Leute diese “Show” (engl.: zeigen, etwas vormachen), dieses “TV-Duell” angetan haben. Dieser “Talk” (engl.: Gespräch, gelaber) aus hohlen Phrasen, leeren Versprechungen, Suggestionen und wilder Silbenakkrobatik glaubt (von Wissen kann man ja hier nicht reden, oder wird neuerdings Politik und Religion doch nicht mehr getrennt?) doch eh kein normal denkender Mensch mehr? Oder bin ich so allein im Wald?

Genug der Gefühle, versuche ich mal der ganzen Zahlenspielerei mit der Logik auf den Grund zu gehen:

Durch die Medien kursiert die Zahl von 15,26 Mio Zuschauern - mal mehr, mal weniger -, welche nach statistischen Erhebungen der GfK dies wohl auch gesehen haben müssen: denn so stellen es die Medien auch immer wieder dar.

Es gibt nichts vergleichbares wie diese Art der Zuschauer-Zählung und es ist sicherlich auch aufwendig. Für mich ist es aber ein Unterschied, ob nun die Nachrichten mit dem nächst besten Film um die Quoten buhlt - das ist es wohl jedem, außer der Werbeindustrie egal - , oder ob mit diesen “Ergebnis” Wahlen beeinflußt, ja gar manipuliert werden können.

Diese 15 Millionen errechnen sich statistisch aus den 5200 privaten deutschen Haushalten mit ca. 12000 Personen im Alter ab 3 Jahren (Stand 1999, Quelle: GfK). Diese Personenzahl allein genommen entspricht 0,015 % bei angenommenen 80 Mio Einwohner Deutschlands. Eine staatliche Schätzung geht von ca. 61,2 Mio Wahlberechtigten für dieses Jahr aus (Die hochsterilisierte Zahl der politmüden Jugendlichen im Alter unter 20 Jahren ist bei dieser Statistik mit ca. 1,2 Mio vernachlässigbar gering, der Hauptwählerkreis mit ca. 26 Mio ist im Alter von 21 bis 45 Jahren). Mit diesen 61,2 Mio jongliert machen die 12000 Probanten der GfK immerhin schon 1,96 % aus. Alle Achtung. Und das ist dann repräsentativ? Für die Lindenstraße vielleicht. Oder die Muppet-Show (wobei das schon wieder dem TV-Duell nahe kommt: mit den "2 Alten” - hier aber mal nicht nur in der Loge).

Nun haben 44 - 55 % dieser 12000 Personen dieses Duell geguckt, und damit wird auf 15 Mio Bürger geschlossen. Das allein ist für mich schon ein Irrsinn, womit dem vermeintlich mündigen Wähler eine Meinung in den Mund gelegt wird, wo sich doch schon fast jeder sagt: Wozu das ganze Gefasel?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß das sich wirklich so viele antun.

Wie dem auch sei, schlimmer noch sind ja die darauf z.T. basierenden noch unmündiger machenden statistischen Erhebungen über das Wahlverhalten. Geht es doch hier nur um SPD und CDU (Was würde eigentlich passieren, wenn Priester oder andere Heilige einfach das “C” dieser Partei klauen würde?) - Eine Suggestive Beschränkung auf 2 Parteien ist damit vorprogrammiert - und natürlich auch gewollt, läßt es sich doch so einfacher regieren und “Macht haben”.


Sofern die Verfassung gültig ist, sehe ich dies als einen eklatanten Verfassungsbruch!


(Guido Westerwelle übrigens auch)


Weder Medien noch Politiker können in einem "demokratischen" Staat mit "freien Wahlen" doch gar nicht wissen, wen der Bürger wählt. Somit ist dieses Duell nur auf Verdacht inszeniert (Ist doch eine Show oder? Und Shows werden nun mal inszeniert)! Die Sender und Medienanstalten müßten jeder Partei diese Plattform bieten (oder eben keinem bieten), und die Parteien wiederum je einen Kandidaten stellen, um diesen dann auch im Fernsehen präsentieren zu können.

Soviel zur Gleichberechtigung in Deutschland...

Oder bestimmen gar die Politiker die Wahlen? Oder die Medien, welche ohnehin mehr, wenn nicht gar DIE Macht auf die Masse haben? Dann ließe sich dieser Umstand der “Nur 2 Politiker” bestens erklären.


(veröffentlicht am 10. September 2002)